Donnerstag, 1. Dezember 2016

Musikecke: Jonathans Melodie

Vor einer kleineren Weile habe ich schon mal (laut) darüber nachgedacht, ob ich nicht einfach regelmäßig ein bisschen über Musik bloggen soll. Ich habe eine relativ enge Beziehung zur Musik, unter anderem zur Instrumental- und Orchestermusik, und ich habe immer noch Lust, im Rahmen von diesem Blog ab und zu ein bisschen über meine liebsten Musikstücke und meine Gedanken und Gefühle zu ihnen zu reden.
Ursprünglich hatte ich ein derartiges Projekt im November starten wollen, während alle anderen fleißig NaNo geschrieben haben. Aber das hab ich natürlich wieder nicht geschafft, und deswegen habe ich mir überlegt, es einfach jetzt im Dezember als eine Art musikalischen Adventskalender zu machen. Bin mir zwar noch nicht ganz sicher, wie lange das klappen wird, aber man kann es ja mal versuchen!
Ich würde mich natürlich freuen, wenn dadurch der eine oder anderen Leser von diesen Posts das eine oder andere neue Musikstück kennen (und vielleicht schätzen) lernt.

Da es jetzt doch schon recht spät ist, fange ich für den ersten Dezember ganz kurz und einfach an, und zwar mit Jonathans Melodie. (Hier verlinkt in der Ouvertüre zum entsprechenden Film.)

Jonathans Melodie ist vom Soundtrack zu „Das fliegende Klassenzimmer“ von 2003 und wurde komponiert von Niki Reiser, einem Schweizer Filmmusikkomponisten, von dem ich persönlich ein großer Fan bin. Reisers Soundtracks sind in der Regel eher ein bisschen zurückhaltend, leise und nachdenklich. Es sind keine Soundtracks für große, actionlastige Blockbuster, aber das müssen sie ja auch nicht immer sein. Ich finde, Reiser komponiert oft sehr filigran, mit zierlichen Melodien und begrenzter Instrumentierung – von letzterem bin ich, wie viele wissen, die schon musikalisch mit mir zu tun haben, oft gar nicht so ein großer Fan. In diesem Fall dient es aber dem Zweck, und wenn man einen kleinkalibrigen, nachdenklichen Film dreht, braucht man auch eine kleinkalibrige, nachdenkliche Musik anstatt schwere Artillerie (= voller Blechsatz und Schlagwerk) aufzufahren.
Speziell Jonathans Melodie gefällt mir, weil sie so großartig nicht nur den Charakter des Films, sondern auch den Charakter der Hauptfigur einfängt. Ich muss gestehen, ich habe Lücken bezüglich der Kenntnis der Romanvorlage, aber dafür kenne ich den Film ganz gut. Der Jonathan Trotz aus dem Film ist, trotz seiner Impulsivität und vielleicht einem kleinen Hang zum Jähzorn, ein sehr philosophisches Kind. Er zieht so still und leise sein Ding durch irgendwie, und genau das macht „sein“ Thema auch.
Das Stück ist hochgradig melodisch und harmonisch stimmig; mir gefallen besonders die Wechsel zwischen Dur und Moll, die ganz natürlich und fließend passieren. Hier wird nicht musikalisch etwas Großartiges lautstark angekündigt – aber wenn man genau hinhört, dann merkt man beim dritten oder vierten Mal, wie filigran und raffiniert hier doch alles miteinander verflochten ist. Natürlich sind die großen, pompösen Geschichten spannend, aber der ganze Film hat eigentlich die Aussage, dass manchmal auch in einer kleinen, individuellen Geschichte etwas Großartiges liegen kann. Jonathans Melodie hat etwas sehr persönliches an sich, und deshalb liebe ich sie so. Sie ist ein bisschen melancholisch, ein bisschen störrisch, ein bisschen neugierig, ein bisschen philosophisch, ein bisschen verschmitzt, und überspannend über all dem ist sie auch weich und warm und verspielt. So wie die Gefühlswelt eines Kindes.

Der Film beginnt tatsächlich mit einem Kästner-Zitat, übrigens, und zwar mit folgendem:
„Wie kann ein Erwachsener seine Jugend so vollkommen vergessen, dass er eines Tages überhaupt nicht mehr weiß, wie traurig und unglücklich Kinder bisweilen sein können? Es ist nämlich gleichgültig, ob man wegen einer zerbrochenen Puppe weint, oder weil man, später einmal, einen Freund verliert.“

An dieses Zitat muss ich im Zusammenhang mit ‚Jonathans Melodie‘ immer denken. Der Soundtrack aus dem Fliegenden Klassenzimmer gehört auf jeden Fall bis heute zu meinen allerliebsten Filmsoundtracks.

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