Vor einer
kleineren Weile habe ich schon mal (laut) darüber nachgedacht, ob ich nicht
einfach regelmäßig ein bisschen über Musik bloggen soll. Ich habe eine relativ
enge Beziehung zur Musik, unter anderem zur Instrumental- und Orchestermusik,
und ich habe immer noch Lust, im Rahmen von diesem Blog ab und zu ein bisschen über meine
liebsten Musikstücke und meine Gedanken und Gefühle zu ihnen zu reden.
Ursprünglich
hatte ich ein derartiges Projekt im November starten wollen, während alle
anderen fleißig NaNo geschrieben haben. Aber das hab ich natürlich wieder nicht
geschafft, und deswegen habe ich mir überlegt, es einfach jetzt im Dezember als
eine Art musikalischen Adventskalender zu machen. Bin mir zwar noch nicht ganz
sicher, wie lange das klappen wird, aber man kann es ja mal versuchen!
Ich würde mich
natürlich freuen, wenn dadurch der eine oder anderen Leser von diesen Posts das
eine oder andere neue Musikstück kennen (und vielleicht schätzen) lernt.
Da es jetzt doch
schon recht spät ist, fange ich für den ersten Dezember ganz kurz und einfach
an, und zwar mit Jonathans Melodie. (Hier verlinkt in der Ouvertüre zum entsprechenden
Film.)
Jonathans
Melodie ist vom Soundtrack zu „Das fliegende Klassenzimmer“ von 2003 und wurde
komponiert von Niki Reiser, einem Schweizer Filmmusikkomponisten, von dem ich
persönlich ein großer Fan bin. Reisers Soundtracks sind in der Regel eher ein
bisschen zurückhaltend, leise und nachdenklich. Es sind keine Soundtracks für
große, actionlastige Blockbuster, aber das müssen sie ja auch nicht immer sein.
Ich finde, Reiser komponiert oft sehr filigran, mit zierlichen Melodien und
begrenzter Instrumentierung – von letzterem bin ich, wie viele wissen, die
schon musikalisch mit mir zu tun haben, oft gar nicht so ein großer Fan. In
diesem Fall dient es aber dem Zweck, und wenn man einen kleinkalibrigen,
nachdenklichen Film dreht, braucht man auch eine kleinkalibrige, nachdenkliche
Musik anstatt schwere Artillerie (= voller Blechsatz und Schlagwerk)
aufzufahren.
Speziell
Jonathans Melodie gefällt mir, weil sie so großartig nicht nur den Charakter
des Films, sondern auch den Charakter der Hauptfigur einfängt. Ich muss
gestehen, ich habe Lücken bezüglich der Kenntnis der Romanvorlage, aber dafür
kenne ich den Film ganz gut. Der Jonathan Trotz aus dem Film ist, trotz seiner
Impulsivität und vielleicht einem kleinen Hang zum Jähzorn, ein sehr
philosophisches Kind. Er zieht so still und leise sein Ding durch irgendwie,
und genau das macht „sein“ Thema auch.
Das Stück ist
hochgradig melodisch und harmonisch stimmig; mir gefallen besonders die Wechsel
zwischen Dur und Moll, die ganz natürlich und fließend passieren. Hier wird
nicht musikalisch etwas Großartiges lautstark angekündigt – aber wenn man genau
hinhört, dann merkt man beim dritten oder vierten Mal, wie filigran und
raffiniert hier doch alles miteinander verflochten ist. Natürlich sind die
großen, pompösen Geschichten spannend, aber der ganze Film hat eigentlich die
Aussage, dass manchmal auch in einer kleinen, individuellen Geschichte etwas
Großartiges liegen kann. Jonathans Melodie hat etwas sehr persönliches an sich,
und deshalb liebe ich sie so. Sie ist ein bisschen melancholisch, ein bisschen
störrisch, ein bisschen neugierig, ein bisschen philosophisch, ein bisschen
verschmitzt, und überspannend über all dem ist sie auch weich und warm und
verspielt. So wie die Gefühlswelt eines Kindes.
Der Film beginnt
tatsächlich mit einem Kästner-Zitat, übrigens, und zwar mit folgendem:
„Wie kann ein
Erwachsener seine Jugend so vollkommen vergessen, dass er eines Tages überhaupt
nicht mehr weiß, wie traurig und unglücklich Kinder bisweilen sein können? Es
ist nämlich gleichgültig, ob man wegen einer zerbrochenen Puppe weint, oder weil
man, später einmal, einen Freund verliert.“
An dieses Zitat
muss ich im Zusammenhang mit ‚Jonathans Melodie‘ immer denken. Der Soundtrack
aus dem Fliegenden Klassenzimmer gehört auf jeden Fall bis heute zu meinen
allerliebsten Filmsoundtracks.
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